AdSense = NonSense?

Ads von Google AdSense hat jeder schon einmal gesehen. In rasender Geschwindigkeit hat sich das Advertisting-Konzept von Google verbreitet, auf Millionen von Sites sind die kleinen Textanzeigen von Google zu finden. Anfangs als Werbemöglichkeit für die Suchmaschine (AdWords) entwickelt, kann heute jeder Websitebetreiber die Werbeplätze auf seiner Website ohne Vermaktungsagentur und Qualitätsprüfung integrieren. Damit wurde aus dem einst so elitären Geschäft der Vermarktung von Websites ein Massensport, der – mit einer Vielzahl von anderen „Affiliate“-Programmen – zu einer Überschwemmung des Marktes mit Anzeigen geführt hat. Ob dieses Konzept das eMarketing revolutionieren wird, ist mehr als fraglich.


Die kleinen Textanzeigen werden von den meisten Usern nicht als störend empfunden. Im Gegensatz zu blinkenden Bannern und ärgerlichen „interstitials“, wie die großformatigen Werbefilmchen genannt werden, die einen an der Benutzung vieler Websites hindern. Deshalb, und weil man kleine Textanzeigen gut mit den eigentlichen Inhalten vermischen kann, sind auch einige große Sites auf den AdSense-Zug aufgesprungen.

Google AdSense arbeitet – wie alles bei Google – alogoritmisch und automatisiert. Google wertet die Seiten aus, auf denen Anzeigen plaziert werden, um die passende Anzeigen zu präsentieren. Es war zum Start von AdSense verblüffend zu beobachten, wie stark der Bezug der Anzeigen zum Inhalt der Seite war, doch leider nur im Hinblick auf den inhaltlichen Bezug, nicht auf die Werbewirksamkeit. Denn so schlau die Algortimen auch sein mögen, sie werten nur Texte aus. Wer die Texte dann tatsächlich liest, kann man (noch) nicht errechnen.

Wir wissen nicht, was in den Google-Labs zur Zeit entwickelt wird, aber die Segmentierung von Zielgruppen aus Websiteinhalten ist für eine Maschine eine sehr komplexe Aufgabe, die ein Mediaplaner heute noch schneller und sicherer bewältigt. Allerdings setzt das voraus, dass die Werbeträger bekannt sind. Und es ist fraglich, ob Google seine Werbeträger kennt.

Ein anderes Problem ergibt sich aus einem zunehmenden Mißverhältnis zwischen Anzeigenplätzen und Anzeigen. Je mehr Anzeigenplätze mit AdSense-Anzeigen zugepflastert werden, desto kleiner wird die Auswahl von geeigneten Anzeigen. Es gibt mittlerweile eine große Zahl von „Ad-Portalen“, die nur aus thematisch zusammenhängenden Anzeigen und Affiliate-Programmen zusammengeschustert sind und ihre Besucher wiederum aus Search-Engine-Spamming beziehen.Google AdSense ermittelt dann aus den Inhalten dieser Portale – die nur vordergründig vorhanden sind, um Besucher anzulocken – immer passende Anzeigen. Diese schiere Masse an mehr oder wenigen sinnlosen Anzeigenplätzen führt über kurz oder lang zu einer Inflation von Anzeigenplätzen und zur zunehmenden Frustration der User. Man kann das zum Teil heute schon beobachten, denn die Qualiät der Anzeigen nimmt mehr und mehr ab. Teilweise gehen Google zu bestimmten Uhrzeiten schon die Anzeigen aus, denn die meisten Anzeigenkunden beschränken Ihre Tagesbudgets.

Andererseits gibt es natürlich auch sinnlose Anzeigen. Viele Werber verwenden wahllos Keywords, die nichts mit dem beworbenen Produkt zu tun haben. Damit wird das ganze System weiter ad absurdum geführt. Das ist eine weitere Reaktion der Werbetreibenden auf die immer geringer werdende Effizienz des Systems.

Das Advertisment in den Suchergebnissen von Google (AdWords) ist sinnvoll. Die Keywords aus Suchanfragen sind inhaltlich eng genug gefasst um passende Anzeigen zu liefern, der User ist auf der Suche und geht daher auch eher auf die Anzeigen ein. Bei AdSendse trifft das nicht zu. Daher sind Klickraten (Verhältnis zwischen angezeigten Anzeigen und den Klicks darauf) nach meinen Erfahrungen bei AdWords hoch (> 5%), bei AdSense aber meist sehr gering (< 0,5%).

Ich bin der Ansicht, dass Werbung via AdSense von immer geringer werdendem Nutzen sein wird. Es kostet andererseits auch nicht viel und kann als Abfallprodukt von AdWords ohne große Erwartungen auch den einen oder anderen unmotivierten oder versehentlichen Klick bringen. Wer seine Zielgruppen effizient erreichen will, muß zu anderen Mitteln greifen. Als Sitebetreiber sollte man sich fragen, ob unpassende Massenanzeigen für eine erfolgreiche Vermarktung ihrer Site geeignet sind.

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