Inzwischen gibt es für fast jede erdenkliche Desktop-Software ein Browser-Pendant. Benutzer, die früher auf Outlook geschwört haben, nutzen heute Google Mail oder Zimbra. Für einfache Office-Arbeiten mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen bieten sich verschiedene Weboffice-Anwendungen wie z.B. ThinkFree an. Und einfache Bildbearbeitung führt man auf die Schnelle mit Picnik durch anstatt ein umfangreiches Grafikprogramm von der Festplatte zu starten.
Applikationen aus dem Web 2.0-Bereich sind einfach ungemein praktisch:
- Sie laufen direkt im Browser, so dass keine extra Software installiert und gestartet werden muss.
- Dank der Nutzung von Ajax verhalten sie sich wie Desktop-Applikationen.
- Der Hersteller kann einfach und schnell Updates durchführen.
- Lizenz- und Wartungskosten können niedrig gehalten werden.
Dennoch haben Web-Applikationen einen entscheidenden Nachteil: Sobald die Netzverbindung nicht verfügbar ist, funktionieren sie nicht mehr.
Ist man im Zug ohne Netzverbindung zu einem Treffen unterwegs und hat die Adresse vergessen, die man gestern per Mail erhalten hat, so ist man aufgeschmissen. Oder man bearbeitet gerade ein umfangreiches Dokument in einer Online-Applikation und plötzlich fällt die Netzverbindung aus – speichern kann man dann nicht mehr.
Dieses Problem haben auch die Hersteller erkannt. Das Offline-Web ist seit Beginn des Jahres ein heißes Thema – und inzwischen gibt es auch erste Lösungen. So bietet beispielsweise Zimbra mit Zimbra Desktop seit Ende März eine Alpha-Version des E-Mail-Programmes an, welches auch Offline funktioniert. Und Adobe hat Apollo auf den Weg gebracht, eine plattformunabhängige Laufzeitumgebung für RIAs (Rich Internet Applications), die auch Offline-Funktionalität bietet.
Seit gestern ist eine weitere Lösung frei zugänglich: Der Suchmaschinengigant Google hat mit Google Gears eine Browsererweiterung zur Verfügung gestellt, die es ermöglicht Web-Applikationen offline-fähig zu gestalten.
Google Gears steht unter einer Open Source Lizenz (New BSD License) und läuft auf Windows, Linux und dem Mac. Unterstützt werden der Firefox ab Version 1.5 sowie der Internet Explorer ab Version 6.0.
Die Basis von Gears bilden drei JavaScript APIs:
- LocalServer
- Database
- WorkerPool
LocalServer speichert Applikationsinhalte wie HTML-Dateien, JavaScript, Bilder etc., cached diese und liefert sie lokal auch bei fehlender Netzwerk-Verbindung aus. Unterstützt werden HTTP- und HTTPS-Verbindungen.
Database dient der Speicherung von Daten in einer lokalen relationalen Datenbank. Hier kommt die bekannte Open-Source Datenbank-Engine SQLite zum Einsatz, die es ermöglicht die Daten via SQL-Statement zu speichern und abzurufen.
WorkerPool erlaubt die asynchrone Ausführung von JavaScript Funktionen und ermöglicht so das Ajax-typische verbesserte Antwortverhalten von Applikationen. Skripte, die im WorkerPool ausgeführt werden lösen keinen “unresponsive skript”-Error bei Browsern aus.
Die einzelnen Worker verhalten sich nicht wie Threads, sondern wie ein Bündel von Prozessen – untereinander tauschen sie keine Informationen über ihren jeweiligen Ausführungsstatus aus. Wird eine Variable in einem Worker geändert, so hat dies keinen Effekt auf einen anderen. Aus diesem Grund haben Worker auch keinen Zugriff auf das DOM. Allerdings haben Worker Zugriff zu allen eingebauten JavaScript-Funktionen und den Methoden von Google Gears.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für Anwendungsentwickler Google Gears zu nutzen:
- Die eigene Web-Applikation kann eine Google-Gears Installation beim Anwender nutzen.
- Ebenso kann aber auch die komplette API und Runtime Software in eine eigene Applikation eingebettet werden, die dem Nutzer zur Verfügung gestellt wird.
Google hat bereits eine erste “Real-World” Applikation offline-fähig gemacht: den Google Reader.
Dieser ermöglicht – eine Google Gears Installation vorausgesetzt – auf Knopfdruck eine Synchronisation der letzten 2000 Einträge. Danach kann man die Netzverbindung beenden und in Ruhe seine Feeds offline lesen.
Sehnsüchtig wird jetzt von vielen der Schritt erwartet Google Mail offline-fähig zu machen. Damit wäre Google den Mitbewerbern aus dem Webmail-Bereich erst einmal einen großen Schritt voraus.

August 9th, 2007 at 10:05 am
[...] Ende Mai hat Google mit Google Gears eine Software unter einer freien Lizenz zur Verfügung gestellt, die es ermöglicht, typische Online-Services Offline nutzbar zu machen. Über die Vorteile und die Realisierung von Google Gears hatten wir zeitnah berichtet. [...]